Eine Saison mit den Neuntötern:

01.12.2019

Wir haben lange darauf gewartet, den hübschen Rotrückenwürger überhaupt vor die Linse zu bekommen. Nicht dass der Vogel selten wäre, er ist aber an bestimmte Landschaftsformen gebunden. Hat man also die entsprechenden halboffenen Landschaften mit ausreichend Ansitzmöglichkeiten und dornigem Gebüsch gefunden, muss man Glück haben, dass sich der Neuntöter dort auch angesiedelt hat. Der Neuntöter gehört zu den echten Würgern, noch gilt er als ungefährdet, aber sein Bestand ist abnehmend. Gemäß der Europäischen Vogelschutzrichtlinie ist der Vogel streng geschützt. Für ihr wird vielerorts der Lebensraum knapp.

Seinen Namen hat der Neuntöter seinem Beuteverhalten zu verdanken. Als Heckenbrüter benötigt er dorniges Gebüsch, dort spießt er seine Beute (Insekten und kleine Mäuse) auf.

In diesem Jahr hatten wir endlich Glück - und was für eins. Zunächst haben wir die "Speisekammer" entdeckt. Also hieß es nun, am Ball zu bleiben. Erst einmal haben wir nur das Männchen, das fleißig Mutter Neuntöter und seine Brut mit Futter versorgte, entdeckt. Im Schutz der Weißdornbüsche bauen die Vögel ihre Nester. Wir waren nahezu täglich im Brutgebiet. Immer mit dem nötigen Diskretionsabstand, um die Brut nicht zu gefährden. Bewusst haben wir darauf verzichtet, gezielt nach den Nestern zu suchen - denn wir möchten beobachten, aber keinesfalls stören.

Nach einiger Zeit zeigte sich dann auch Mutter Neuntöter, und wir wussten, dass es jetzt nur noch eine Frage der Zeit war, bis wir auch die ersten Jungvögel zu sehen bekamen. Was war das für eine Überraschung, als wir bemerkt haben, dass wir mindestens 3 erfolgreiche Brutpaare hatten. Es wimmelte plötzlich nur so vor Jungvögeln. Wir durften beobachten, wie die Elternvögel sich mit dem Füttern abgewechselt haben. Die Jungvögel befanden sich in sehr unterschiedlichen Reifestadien. Die einen hatten noch reichlich flaumiges Gefieder und wurden von den Eltern sehr umsorgt, während die anderen Jungvögel begannen, erfolglos nach Futter zu betteln.

Irgendwann war es dann soweit, und unser Weg zu den Neuntötern war vergeblich - sie sind alle ausgeflogen. Wir haben in dieser Saison viel über das Sozialverhalten und das Fressverhalten der Neuntöter gelernt und freuen uns schon jetzt auf eine hoffentlich erfolgreiche neue Saison.